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Leon BuschArchiv in Bewegung
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Projekt · 2024 · Dresden

Reconnect

Wohnen, Studieren, Arbeiten auf dem Campus Süd der TU Dresden

Sprache
DE
Form
Project Story

Der Titel des Entwurfs ist Reconnect. Reconnect, weil der Entwurf von der Vereinigung des dichten und belebten Hauptcampus der TU Dresden mit dem Erweiterungsteil des Campus entlang des Zelleschen Wegs handelt. Dieser fällt momentan in seiner Aufenthaltsqualität stark von jener des Hauptcampus ab.

Die Idee hinter dem Projekt ist, die Attraktivität dieses Teils des Campus durch ein neues Zentrum zu steigern und ihn so wieder mit dem Hauptcampus zu vereinigen.

Perspektive des neuen Grünraums zwischen den Gebäuden des Campuszentrums
Neuer Grünraum als Treffpunkt auf dem Campus

Ausgangssituation und Problemstellung

Ausgangssituation des Entwurfs ist die Ermittlung fehlender Aufenthaltsqualitäten und zentraler Begegnungsorte für den studentischen Austausch sowie mangelnder räumlicher Qualitäten der gegenüberliegenden Mensa „Siedepunkt“ und das Fehlen einer Adresse für den Makerspace der SLUB, welcher eine wachsende Relevanz für einen zukunftsfähigen und modernen Universitätscampus aufweist.

Neben Mängeln in der Raumorganisation und Bereitstellung von modernen Arbeitsplätzen gilt es zudem, die Aufenthaltsqualität und klimatische Funktionalität des Freiraums entlang des Zelleschen Wegs zu steigern. Aufgrund des steigenden Bedarfs für niederschwellig verfügbare leistungsstarke digitale Infrastrukturen verlangt es nach neuen kreativen Raumlösungen für produktive und kreative Studierende und Mitarbeitende sowie Forschende.

Aktuelle Situation

Für den Entwurf soll der Parkplatz auf der anderen Straßenseite des Zelleschen Wegs genutzt werden. Das Grundstück steigt Richtung Süden leicht an und wird westlich durch einen bis zu 4,5 Meter hohen Wall abgegrenzt, der das Plateau für den Dachgarten der SLUB schafft. Momentan befindet sich auf dem Grundstück ein Parkplatz ohne besondere Aufenthaltsqualität. Östlich befinden sich das Haus der Sprachen und die Fakultät für Biologie, westlich die SLUB mit ihrem begrünten Dachgarten.

Schwarzplan des Campus Süd der TU Dresden und seiner Umgebung
Schwarzplan

In der Umgebung des Grundstücks sind viele Funktionen angesiedelt, die Attraktionspunkte für einen universitären Campus darstellen:

  • ein zu kleiner Makerspace im hintersten Winkel des BZW, von dessen Existenz viele Studierende nicht erfahren;
  • die SLUB, die gerade in Zeiten der Prüfungsvorbereitung das wohl am meisten frequentierte Gebäude auf dem Campus ist;
  • deren Dach als gestalteter Freiraum, jedoch nicht schön zum Verweilen;
  • das Bibliothekscafé, jedoch ohne Außenbereich;
  • eine Mensa mit mittelmäßiger Aufenthaltsqualität;
  • mehrere Fakultäten.

Aus freiräumlicher Perspektive mangelt es trotz der Begehbarkeit des begrünten Daches und des begrünten Walls der SLUB vor allem im Sommer an geschützten und verschatteten Aufenthaltsbereichen und Sitzgelegenheiten. Ein lang gestreckter Grünraum verläuft bereits entlang des Willersbaus, westlich in Richtung des Hörsaalzentrums bis zum Holzbauinstitut im Osten des Entwurfsgebiets. Derzeit wird dieser durch den Parkplatz und den Höhenunterschied, der durch das Dach der SLUB entsteht, unterbrochen. Auch der Außenbereich der Mensa „Siedepunkt“ ist nicht ausreichend groß dimensioniert und von anderen Räumen abgetrennt, um eine angenehme Atmosphäre für die BesucherInnen zu ermöglichen.

Während der Prüfungszeit sind die Arbeitsplätze in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek meist vollends ausgelastet, wodurch die Mensa „Siedepunkt“ starken Andrang erfährt. Durch die räumliche Enge, akustische Probleme und wenig natürliche Belichtung wird diese den Anforderungen derzeit nicht gerecht. Die Schulungen des Makerspace, unter anderem für die benötigten Geräteführerscheine, finden aktuell in einem provisorischen Umfeld statt. Es fehlen adäquate Räumlichkeiten, die den Anforderungen an eine effiziente und professionelle Nutzung des Makerspace gerecht werden.

Dennoch wirkt dieser Teil des Campus selten belebt. Gerade in den Abendstunden ist er wie ausgestorben. Was fehlt, sind attraktive Begegnungsorte, Cafés, angenehme Außenräume, ein Abendangebot und eine ausgeprägte Adressbildung. Insbesondere der Makerspace, aber auch SLUB und Mensa, nehmen sich sehr vom Zelleschen Weg zurück und sind kaum wahrnehmbar.

Städtebauliche Herausforderungen

Es handelt sich um einen Entwurf, der stark vom städtebaulichen Kontext beeinflusst wird.

  • Im Flächennutzungsplan der Stadt Dresden ist der Parkplatz Teil einer Frischluftschneise.
  • Die Umfahrung der SLUB, die derzeit Anlieferung und Zugänglichkeit im Brandfall sicherstellt, soll gewährleistet bleiben.
  • Derzeit wird das Grundstück zur Erschließung des Testgeländes des Fraunhofer-Instituts genutzt, zum Teil mit Gelenkbussen.
  • Der Masterplan 2030 der TU Dresden sieht südlich des Grundstücks eine Erweiterung des Campus vor. Auch deswegen soll das Grundstück in dieser Richtung für den Lieferverkehr passierbar bleiben.

Städtebauliche Chancen

  • eine neue Bahnhaltestelle;
  • die Verbreiterung des Radwegs;
  • die Verringerung der Fahrbahnbreite auf zwei Spuren;
  • die Verbindung der bereits vorhandenen Grünräume zu einer parallelen grünen Achse.
Drei Diagramme zu Freiraum, Frischluftschneise und Mobilität
Freiraum · FNP · Mobilität

Entwurfskonzept

Ziel des Entwurfs ist, durch die Neuordnung und Erweiterung der bereits vorhandenen Potenziale diese zu stärken und damit den Ort vor allem für Studierende attraktiver zu gestalten.

Zentral für den Entwurf war die Erweiterung des Grünraums auf dem Dach der SLUB und die Schaffung einer Verbindung zum Grünraum, umgrenzt von Haus der Sprachen, Biologiefakultät und Holzbauinstitut.

Aus diesem Grund entsteht anstelle des Parkplatzes eine Tiefgarage mit intensiv begrüntem Dach. Diese dient ebenfalls als Durchfahrt für Fahrzeuge, die das Grundstück weiterhin queren müssen. Ebenfalls zentral ist die Schaffung eines offensichtlichen und barrierefreien Zugangs zu ebendiesem Grünraum über eine Freitreppe.

Das Parkhaus dient als Ersatz für den überbauten Parkplatz und macht gleichzeitig die Errichtung des im Masterplan der TU Dresden vorgeschlagenen Parkhauses südlich des Grundstücks entbehrlich.

Fünf Entwurfsschritte von der unterbrochenen Grünachse bis zur ausformulierten Architektur
Grünachse · Gründach und Unterführung · Freitreppe · Baukörper · Architektur
Perspektive des Grünraums mit Wasserfläche und Freitreppe zwischen den Baukörpern
Grünraum mit Wasserfläche und Freitreppe

Nördlich öffnet sich das Ensemble zum Zelleschen Weg. Durch einen Wechsel des Bodenbelags, Zebrastreifen, die Schaffung kurzer Rampen, eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h und die Schaffung neuer Bahn- und Bushaltestellen wird eine fußläufige Verbindung über den Zelleschen Weg hinweg hergestellt. Zudem wird auf diese Weise die neue Adresse am Campus auch für Autofahrer hervorgehoben.

Lageplan des Entwurfs am Zelleschen Weg
Lageplan

Die Gebäude sind entlang der östlichen und westlichen Grundstücksgrenzen angeordnet, um einen offenen Raum zu schaffen, der den höher gelegenen Grünraum mit dem Straßenraum verbindet. Die Beziehung zum Grünraum wird durch eine große Freitreppe betont.

Schnittansicht durch Entwurf, Freiraum und Bürogebäude Zellescher Weg
Schnittansicht mit BZW

Der Makerspace erhält eine prominente Adresse, die seine Sichtbarkeit und Nutzung durch die Studierenden erhöht. Ein professionelles Umfeld für theoretischen Input, das die Nutzung der vorhandenen Geräte unterstützt, ist ebenfalls integraler Bestandteil des Entwurfs.

Drei weitere Gebäudeteile

Hauptgrundriss mit Freiraum, Hauptgebäude, Mensa und Pavillon
Hauptgrundriss

Hauptgebäude

Der größte Gebäudeteil kombiniert im Erdgeschoss einen großzügigen Showroom für den Makerspace, in dem Innovationen und Projekte präsentiert werden können, mit modernen Schulungsräumen für theoretische und praktische Einweisungen. Daran angeschlossen befinden sich speziell ausgestattete Arbeitsplätze für CAD-Anwendungen und Rendering, um den Anforderungen komplexer digitaler Modellierungs- und Visualisierungsprozesse gerecht zu werden und die Fakultät Architektur und weitere Fachbereiche zu unterstützen. In den oberen Geschossen entstehen 33 Wohneinheiten für Studierende, Forschende und Referenten. Als Ruheoase ergänzt ein Dachgarten die freiräumlichen Qualitäten im Entwurfsgebiet.

Es wird eine klare Trennung zwischen öffentlichen und privaten Funktionen vorgenommen: Die öffentlichen Bereiche zeichnen sich durch eine großflächige Pfosten-Riegel-Fassade und einen ausgeprägten Dachüberstand aus, während die privaten Wohnbereiche durch kleinteiligere Bauteile dominiert werden.

Perspektive des Außenbereichs zwischen Hauptgebäude und Mensa
Außenbereich zwischen Hauptgebäude und Mensa
Perspektive eines mehrgeschossigen Innenraums mit Treppe und Arbeitsplätzen
Innenraum des Hauptgebäudes
Perspektive der oberen Ebene des Wohngebäudes mit Blick zur Freitreppe
Innenraum des Wohngebäudes, obere Ebene
Perspektive der unteren Ebene des Wohngebäudes mit Blick zur Freitreppe
Innenraum des Wohngebäudes, untere Ebene
Perspektive des Laubengangs und Gemeinschaftsbereichs des Wohngebäudes
Laubengang und Gemeinschaftsbereich des Wohngebäudes
Frontale Perspektive der Fassade des Wohngebäudes mit öffentlichem Sockel
Fassade des Wohngebäudes

Mensa

Die neue Mensa befindet sich im zweiten Gebäudeteil. Sie wird so gestaltet, dass sie eine deutlich höhere Raumqualität bietet als der bestehende „Siedepunkt“, zum Verweilen einlädt und zusätzliche Kapazitäten schafft. Küche und Anlieferung befinden sich wie das Parkhaus unterhalb der neu geschaffenen Grünfläche. Die Mensa vermittelt über eine Vielzahl von Ebenen zwischen den unterschiedlichen Höhen auf dem Grundstück. Durch den Umzug der Mensa kann die Bibliothek im BZW – Drehpunkt – auf den freigewordenen Flächen um einige Arbeitsplätze für Studierende erweitert werden.

Perspektive der Mensa mit Außenbereich und Hauptgebäude im Hintergrund
Mensa und Hauptgebäude am neuen Campuszentrum

Pavillon

Beim dritten Gebäudeteil handelt es sich um einen Pavillon mit Café und Bar zur Pausen- und Abendgestaltung und dem Ausgang aus dem Parkhaus. Dieser kann flexibel und bedarfsgerecht als Bar, Café und Veranstaltungsort in Verbindung mit der Liegewiese bespielt werden.

Perspektive des Ensembles aus Hauptgebäude, Mensa und Pavillon im Grünraum
Ensemble aus Hauptgebäude, Mensa und Pavillon

Die Gebäude wurden so angeordnet, dass diese die Frischluftschneise so wenig wie möglich behindern. Zudem sorgt ein Teich auf dem nördlichen Platz für weitere Kühlung der Luft im Sommer.

Ansicht Süd des Ensembles mit Parkierung unter dem Freiraum
Ansicht Süd
Ansicht Ost des Ensembles
Ansicht Ost
Ansicht Nord des Ensembles zum Zelleschen Weg
Ansicht Nord

Konstruktion

Bei der Konstruktion handelt es sich um eine Stahlbetonbauweise für das Parkhaus und eine Stahlleichtbauweise mit primärem und sekundärem Tragwerk zur Reduktion der Anzahl der Stützen bei den weiteren Gebäudeteilen.

Längsschnitt durch Hauptgebäude, Freitreppe, Freiraum, Parkierung und Pavillon
Längsschnitt
Isometrischer Fassadenschnitt der Mensa
Fassadenschnitt Mensa
Isometrischer Fassadenschnitt des Wohngebäudes
Fassadenschnitt Wohngebäude

Modelle

Gesamtansicht des Entwurfsmodells im Maßstab 1 zu 200
Entwurfsmodell 1:200 · Gesamtansicht
Städtebauliches Modell im Maßstab 1 zu 500 mit Einfügung des Entwurfs in den Campus
Städtebauliches Modell 1:500 · Einfügung in den Campus
Aufsicht auf das Entwurfsmodell im Maßstab 1 zu 200
Entwurfsmodell 1:200 · Aufsicht
Modell des Wohngebäudes im Maßstab 1 zu 200
Wohngebäude · Modell 1:200
Schnittmodell der Mensa im Maßstab 1 zu 100
Mensa · Schnittmodell 1:100
Modellstudie der Freitreppe und Höhenvermittlung
Freitreppe · Modellstudie
Entwurfsmodell im Maßstab 1 zu 200 mit Pavillon im Vordergrund
Entwurfsmodell 1:200 · Pavillon im Vordergrund
Aufsicht auf das städtebauliche Modell im Maßstab 1 zu 500
Städtebauliches Modell 1:500 · Aufsicht

Fazit und Ausblick

Der Entwurf schafft durch die Einbeziehung der in seiner direkten Umgebung vorhandenen Potenziale einen Mehrwert über das Entwurfsgrundstück hinaus. Durch die besprochenen Maßnahmen auf dem Entwurfsgrundstück selbst und die Anpassung der anstehenden Maßnahmen auf dem Zelleschen Weg werden die bereits vorhandenen Potenziale in der Umgebung aktiviert und ein attraktives neues Zentrum für den Campus geschaffen.